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Gruppenfoto von der Subzone-Gemeindefreizeit 2017

Jetzt erst recht: vergeben II

  1. Muss ich mir seine Vergebung jetzt also doch verdienen?

Ein Blick in die Geschichte, die Jesus erzählt (du erinnerst dich, die aus Matthäus 18 ab Vers 23), kann uns bei dieser Frage weiterhelfen. Versetzen wir uns mal in die Lage des Schuldners. Was passiert nachdem ihm seine astronomische Schuld erlassen wird?

Nichts.

Keine Reaktion. Kein Danke. Kein Zeichen besonderer Freude (zumindest nicht so, dass es Jesus Wert wäre kostbare Erzählzeit dafür zu opfern).

Das ist auffällig. Warum?

Weil in vielen anderen Geschichten, die Jesus erzählt nach dem überraschenden turning point (und von dem darf man bei der Summe wohl sprechen) große Freude herrscht (man denke beispielsweise an die verlorene Münze oder das verlorene Schaf).

Wir müssen also spekulieren, was im inneren des Mannes vor sich geht. Eine mir plausible Deutung ist, dass er den Erlass seiner Schulden als etwas rein Technisches erachtet. Sein Konto wird aus den tief roten Zahlen wieder auf null gesetzt. Ihm widerfährt unbeschreibliche Großzügigkeit, die ihn doch auf seltsame Art kalt lässt. Im weiteren Verlauf der Geschichte zeigt sich, dass ihn diese Erfahrung nicht großzügiger gemacht hat, sondern in seine Selbstgerechtigkeit verhärtet hat. Er verschließt sich der Liebe, die ihm geschenkt wurde.

Das Ende der Geschichte hat etwas aufrüttelnd Endgültiges. Das Ende zeigt wie ernst es Gott damit ist, dass der Mensch, dem Gott vergibt, auch anderen vergibt. Aber auch das Ende dieser Geschichte hat meiner Meinung nach nicht das letzte Wort. Das letzte Wort über alle Ignoranz, die Gottes großzügiger Liebe entgegen gebracht wird, spricht Jesus am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Gottes Versöhnungsangebot steht – unverdienbar und bedingungslos. Aber es steht nicht als rein technische Umbuchung, nach dem Motto: „Ich erlasse Dir deine Schulden und du bekommst ein Ticket in den Himmel geschenkt.“ Das Angebot steht als Beziehungsangebot. Gott ist der Mensch wichtiger, als alle Schuld, die er auf sich geladen hat. Aber wenn der Mensch nicht auch am Geber das Geschenks – an Gott, der Liebe genannt wird – interessiert ist, dann hat das Vergebungsangebot keinen Zweck, weil es darin ja gerade um die Möglichkeit einer Beziehung geht. Denn: Gott ist nicht als Deckmantel für Selbstgerechtigkeit und Undankbarkeit zu haben. Seine Liebe verschenkt sich, aber wer sie nicht in sich wohnen lassen möchte, den zwingt sie nicht.

 

  1. Warum ist ihm die ganze Vergebungskiste so wichtig?

Was ist das eigentlich „vergeben“? Kurz gesagt: Das Verzichten auf Vergeltung. Das Verzichten auf Ausgleich. Vergebung ist ein Geschenk. Vergeben heißt nicht unter den Tisch kehren, sondern die Karten auf den Tisch legen, denn es beginnt damit Unrecht zu benennen (es nicht zu ignorieren oder zu verdrängen).

Vergebung ist so wichtig, weil sie Unrecht überhaupt erst mal als Unrecht benennt.

Viele Seelsorger machen die Erfahrung, dass Menschen nicht vergeben können, weil ihnen nie jemand gesagt hat, dass ihnen Unrecht angetan wurde. Noch schlimmer: Weil sie selbst das nicht mal sagen können und sich für (mit)schuldig halten.

Vergebung ist so wichtig, weil sie einzige Chance für Beziehungen auf Augenhöhe ist

Vergeben ist nicht Verdrängen.

Vergeben ist erst recht nicht Vergelten.

Aber Vergeben ist auch nicht Nachtragen.

Meine Selbsterkenntnis:

indem ich warte, bis ich sage „ich vergebe dir“…

indem ich auch nach dem „ich vergebe dir“ noch kautzig drauf bin und zeige, dass es mir wirklich weh getan hat…

indem ich nach der „Vergebung“ vom anderen erwarte, dass er mich nun besonders gut behandelt…

… Suche ich den Ausgleich. Und das ist nicht wirklich vergeben.

 

Was das mit meinem Gottesbild zu tun hat

Gott vergibt als Geschenk. Wenn ich mein Muster auf Gott übertrage (und das passiert mir immer und immer wieder), höre ich: „Ich habe so viel für Dich getan, jetzt stehst Du bei mir ein Leben lang in der Schuld. Jetzt musst Du ein Leben lang nach meiner Pfeife tanzen und immer, wenn Du Dich mal nicht für mich interessierst erinnere ich Dich daran, was ich für Dich getan habe.“ Gottes Vergebung ist ein Geschenk.

Keine Forderung. Ein Geschenk.

 

Warum ist es ihm nun so wichtig, dass auch wir vergeben?

Ein Mann hatte bei den Attentaten während des Länderspiels in Paris seine Frau verloren. Sein offener Brief ging um die Welt (http://www.welt.de/politik/ausland/article149011422/Meinen-Hass-werdet-Ihr-nicht-bekommen.html). „Meinen Hass werdet ihr nicht bekommen“, schreibt er den Tätern. Von Vergebung kann er noch nicht reden. Und gerade an solch heftigen Erlebnissen merkt man, dass Vergebung oft auch ein mühsamer und sehr langwieriger Prozess sein kann.

Und doch verweigert sich hier jemand der Rache, wie ich sie anfangs im ersten Artikel angedeutet habe. Und gerade durch diese Verweigerung macht er sich selbst frei.

Denn: Vergebung ist ein wahrer Akt der Freiheit, weil Rache „wo sie das Handeln wirklich bestimmt, die Handelnden an den Automatismus eines einzigen, einmal losgelassenen Handelnsprozesses [bindet], der von sich aus niemals zu Ende kommt.“ (Arendt 1960)

Vergebung ist so wichtig, weil dadurch Gottes neue Welt den Kreislauf des Bösen durchbricht.

Vergebung ist ein Geschenk, das im Gegensatz zu vielen anderen Geschenken so verdammt schwer weiter zu geben ist. Das in harten Fällen extrem lange Zeit braucht, um eingepackt zu werden. Aber es ist die einzige Möglichkeit, dass schon hier in Zeiten von Angst vor Terror, Misstrauen und tatsächlichem Terror, der eisige Wind unsere Gesellschaft nicht zum Erfrieren bringt.

Termine & Events

Termine für 2018

Mittwochmorgengebet

Wir treffen uns in kleiner Runde (meist 3 – 5 Leute) unter der Woche (meist mittwochs) von 7.30 – 8.45 zum gemeinsamen Gebet im Zentrum Frankfurts (in der Regel in einem Café in der Nähe des Willy Brandt Platzes). Komm gerne dazu und gönn Dir die Fokussierung! Schreib dazu einfach eine kurze Mail an Gebetstreffen[at]subzone.org

 

Heutige Losung

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.

Jesaja 49,13

Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.

1.Korinther 1,30

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