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Gruppenfoto von der Subzone-Gemeindefreizeit 2017

Jetzt erst recht: vergeben

Gerade läuft wieder ein großer Rachefeldzug-Streifen in den deutschen Kinos (the revenant). Was da auf persönlicher Ebene durchexerziert wird, versuchen ganze Länder gegen den IS: Gerechtigkeit herstellen, Ausgleich schaffen. Angesichts des erfahrenen Leids ist der Ausgleichsimpuls legitim (ohne selbst so etwas erlebt zu haben, möchte ich nicht sagen „verständlich“). Da kommt der christliche Impuls zu vergeben fast stiefmütterlich daher.

Trotzdem und gerade deswegen wollte ich hier über die großzügige Vergebung Gottes schreiben. Dazu ist mir eine Geschichte von Jesus eingefallen. Ehrlich gesagt hatte ich sie anders in Erinnerung. Mit mehr Happy End. Aber lest selbst (Matthäus 18, aber Vers 23 z.B. auf Bibleserver.com).

Ein paar Bemerkungen, die uns helfen die Geschichte einzuordnen:

  • Kontext: Der Jünger Petrus fragt Jesus, wie oft man jemandem vergeben müsse. Er schlägt 7 mal vor, Jesus denkt eher an 7*70 mal (was so viel heißt wie: immer wieder) und erzählt dann das Gleichnis
  • Who is who? Wer steht in dem Gleichnis für wen? Wir lesen Gleichnisse gerne wie Rätsel – es braucht einen geheimen Code um zu verstehen, wer wer ist und mit wem sich der Zuhörer identifizieren kann oder soll. Das ist ein schwieriges Unterfangen. Denn in erster Linie sollten Gleichnisse Beispielgeschichten sein, die für die Zuhörerschaft einen Punkt ihn ihrer Welt nachvollziehbar gemacht haben.
  • Was ist denn hier der Vergleichspunkt? Mit dem Himmelreich – (das heißt mit Gottes neuer Welt – die durch Jesus schon in dieser alten Gestalt annimmt und bis in alle Ewigkeit weiter geht) – verhält es sich wie…

Wie mit was?

Wie mit einem übergroßen, unverdienten Geschenk! Der Schuldner bekommt 10000 Talente erlassen (für 1 Talent musste ein normaler Arbeiter 20 Jahre arbeiten!).

Und dann?

Lebt der Beschenkte sein Leben weiter als wäre nichts geschehen. Der, dem unglaublich viel erlassen wurde, fordert die ungleich kleineren Schulden eines anderen zurück.

Also, wer ist jetzt wer?

das hab ich eben schon versucht zu erklären: Gleichnisse sind keine who-is-who-Rätsel. Sondern Vergleiche, die in der damaligen Lebenswelt schlüssig waren. Es geht also darum den Vergleichspunkt möglichst nachvollziehbar zu treffen und nicht darum jeden Charakter so zu zeichnen, dass man ihn eins zu eins auf Gott und Mensch übertragen kann.

Aber dahinter hängt Jesus doch eine Deutung, oder?

Jap: „So wird auch mein Vater im Himmel jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von Herzen vergibt.“

Also steht der König doch für Gott, oder? So einfach ist das nicht.  Es ist schwierig alles, was der König tut auf Gott einfach zu übertragen (so will der König beispielsweise den Schuldner und seine Familie verkaufen, was zu dem „Gott der Fronarbeiter“ nicht passt).

Aber am Ende vergleicht Jesus Gott mit dem König und meint: Wenn ihr nicht vergeben wollt – dann wird er es auch nicht (so hat er es auch schonmal ans Vater unser angehängt).

Diese Wendung gibt es öfter: Der Mensch steht bei Gott in der Schuld wird aufgefordert anderen zu vergeben, wie Gott ihm vergibt. Die zwischenmenschliche Schuld wird also in einen größeren Rahmen gestellt. Und dabei wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass jeder Mensch bei Gott in der Schuld steht.

Oha. Wofür sollte ich bei Gott in der Schuld stehen?

Im Gleichnis ist wörtlich von einem Diener die Rede. Die Höhe der Summe lässt schließen, dass er möglicherweise mit der Verwaltung von königlichem Besitz betraut war. Das Verwalter-Motiv kommt in vielen Jesus Gleichnissen vor und greift auf die Schöpfungsgeschichte zurück. Kurz gesagt steckt dahinter: Gott gehört alles – er hat es gemacht, er hat die Urheberrechte. Er wirft uns in diese Welt mit dem Auftrag sie mit ihm zusammen zu gestalten und uns für Gerechtigkeit einzusetzen.

Das klingt etwas abstrakt… Versuchen wir uns mal selbst an einem Gleichnis:

Ein großer Künstler – der Meister schlechthin – startet ein Projekt: Er lässt seine Schüler mit ihm zusammen in seinem Atelier, an seinen Meisterwerken weiter arbeiten. Sie haben die Aufgabe mit ihm zusammen eine harmonische Gesamtkomposition zu entwickeln.

Alles haben sie von ihrem Meister – die Ideen, die Werkzeuge, die Fähigkeiten – die Grundlage ist genial, sie können die Motive nur neu miteinander kombinieren. Doch die Schüler wollen eigentlich lieber alleine an den Werken weiter arbeiten. Manches gelingt ihnen sehr gut und sie stellen es nach außen so dar, als wäre alles ihr Verdienst.

Sie entdecken, dass andere auch gute Arbeit machen und beginnen der Arbeit und Werke zu manipulieren. Doch dadurch zerstören sie nicht nur die Werke der anderen Schüler. Sie zerstören ja auch die Werke des Meisters selbst. Alles, was sie den anderen antun, tun sie auch ihm an.

Und nun wieder auf die Abstraktionsebene:

Man könnte die Grundsituation des Menschen so umreißen: Gott hat ihm etwas anvertraut und er macht, als wäre alles sein eigen – undankbar und selbstgerecht. Dabei hängt er in einem Schuld- Zusammenhang fest, in dem die eine Schuld, die nächste provoziert, sodass er da von sich aus nicht mehr rauskommt.

 

Aber man hört doch, dass Gott uns genau das vergibt. Muss ich mir Gottes Vergebung jetzt also doch verdienen oder wie kann man das Gleichnis zu verstehen?

Darum geht es dann in dem zweiten Teil, der in ein paar Tagen hier erscheint.

Termine & Events

Termine für 2018

Mittwochmorgengebet

Wir treffen uns in kleiner Runde (meist 3 – 5 Leute) unter der Woche (meist mittwochs) von 7.30 – 8.45 zum gemeinsamen Gebet im Zentrum Frankfurts (in der Regel in einem Café in der Nähe des Willy Brandt Platzes). Komm gerne dazu und gönn Dir die Fokussierung! Schreib dazu einfach eine kurze Mail an Gebetstreffen[at]subzone.org

 

Heutige Losung

Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.

Jesaja 49,13

Christus Jesus wurde für uns zur Weisheit durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.

1.Korinther 1,30

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